Das Tier als Freund des Menschen

Mein bester Freund
 

Bald wird die Zeit wieder kommen, in der der Schnee in weichen Flocken zur Erde segelt, alles weiß ist und die meisten Unfälle vom ganzen Jahr nicht  lange auf sich warten lassen: Der Winter.
In dieser Zeit lernte ich auch Futzy kennen. Futzy, der vielleicht schon tot ist, oder der noch lebt und große Qualen erleiden muß.

Es war an einem kalten Wintertag, kurz vor Weihnachten, als ich von der Schule nach Hause ging. Bei diesem Weg komme ich auch immer bei dem Haus meines zweitältesten Bruders vorbei, der schon geheiratet hat.

Elfriede heißt meine Schwägerin. Doch wir nennen sie der Einfachheit halber nur "Elfie."

Ich war es nicht gewohnt, Elfie bei meinen Nachhauseweg zu begegnen. Desto überraschter war ich an diesem Tag, als ich sie vor ihren Haus den Weg entlang auf- und abgehen sah

Und mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich ein karamelbraunes "Etwas" entdeckte, daß lustig neben meiner Schwägerin herhoppelte.

Aber...das war ja ein Hund!

"Hey, Elfie!" rief ich. In meiner Stimme  m u s s t e  ja direkt die Überraschung mit schwingen, die ich empfand.

"Ist das ein Hund?"

Elfie lächelte, rief ihr "Ja" zurück und bat mich doch zu ihr zu kommen.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen! Ich kletterte den Hang hinunter, wobei es mich nicht störte, daß ich auf den glitschigen Schnee fast ausrutschte.

"Ach, ist der süß!" rief ich aus und sah den kleinen Hund hingerießen an.

Elfie erklärte mir, daß er "Futzy" heiße und vier Wochen alt sei.

Ich verliebte mich sofort in den trolligen Kerl. Am liebsten hätte ich ihn eingefangen und mit ihm geschmust!Aber ich schaffte es nicht einmal, ihm den Kopf zu streicheln. Als ich Futzy langsam meine Hand entgegen streckte,  sah er mich mit seinen großen braunen Augen an und machte erschreckt einen Satz nach hinten.

Obwohl es nicht so aussah, begann an diesem Tag das Band einer großen Freundschaft. Ein Band, das zwischen mir und Futzy unweigerlich geknüpft war.

Ich besuchte den tapsigen, verspielten Cockerspaniel, und als Elfie mir anbot, ihm auszuführen, war ich ganz weg!

Am Anfang wollte Futzy ja nicht so recht. Aber ich drängte den Hund nicht, versuchte geduldig zu sein, und wir gewöhnten uns aneinander.
Jeden Tag durfte ich Futzy ausführen. Und jeden Tag verstanden wir uns besser.

Der Frühling wechselte den unfreundlichen Winter ab. Futzy wuchs heran, und wir beide waren zu richtigen Kameraden geworden.
Doch je mehr Zeit verstrich, desto deutlicher trat es an den Tag: Etwas stimmte mit Futzy nicht.

Daß er ein angeborenes Augenleiden hatte, das wußten wir schon lange. Das sollte auch behandelt werden, wenn Futzy das Alter dazu erreicht hatte.

Aber da war noch etwas: Eine schreckliche, schleichende Krankheit, die sich nur langsam und schleichend für Futzy herauskristallisierte. Dem Hund gingen die Haare aus! An der Brust und den Vorderpfoten! Und diese Stellen juckten Futzy furchtbar. Zudem wurden seine Augen schlechter. Manchmal schien mir Futzy so unsicher, als wäre er blind.
Futzy hatte Schmerzen. Oft jaulte und heulte er auf und rannte wie verrückt umher, wobei er vor sich hinwimmerte und winselte. Mir dauerte das Tier in der Seele. Ich hatte Angst und Sorge um ihn, wenn ich sah, wie es litt, wie es sich  quälen mußte.

Doch ich brachte den Mut nicht auf, meine schlimmen Beobachtungen Elfie oder meinen Bruder mitzuteilen. Ich wollte nicht, daß sie etwas falsch verstanden und meinten, ich wolle mich in ihre Angelegenheiten einmischen.

Mein Entschluß war vielleicht ein Fehler.
Einer, der sich späte grausam rächte.
Und es kam, wie es kommen mußte: Die schreckliche Wahrheit...
Futzy war unheilbar krank!

Elfie wurde vom Tierarzt voll aufgeklärt. Es wäre das beste, den Hund von seinen unsagbaren Schmerzen zu erlösen. Doch das wollte Elfie nicht. Noch am gleichen Abend wurde Futzy zu dem Zwinger zurückgebracht, von dem er stammte.

Elfie und mein Bruder bekamen die Geldsumme wieder zurück, die sie für Futzy aufgewendet hatten: 200 DM.
Ein Stück Papier gegen das Leben eines Hundes...

Wir zuhause waren geschockt und todtrübsinnig. Konnten das Unglück gar nicht recht fassen. Ich heulte mir nachts die  Augen aus, und meine Gedanken kreisten nur um einen:

Futzy!

Ich würde ihn nie wiedersehen...

Doch mit der Zeit vergeht aller Schmerz. Selbst wenn man glaubt, es nicht zu schaffen.
Und was die Ehe zwischen Elfie und meinen Bruder betrifft:

Sie beide haben nun einen neuen, dritten Genossen gefunden. "Bella", einen Schäferhund.

"Bella". Das war für mich kein neues "Futzy" und wird es auch nie sein. Ein Hund kann den anderen nicht ersetzen. Selbst, wenn man den anderen wie den früheren liebt.

Trotz allem werde ich Futzy nie vergessen. Denn für mich war er ein guter Kamerad, der beste Freund... 


Veröffentlicht am 04.04.11, geschrieben von Ursula Neubig, Webseite: Der Weihnachtsblog - Kostenlos lesen + schreiben


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