Das Tier als Freund des Menschen

In Erinnerung an Minnie
 

Minnie war eine hübsche, rot getigerte Katze, die vor etlichen Jahren bei uns ihr Zuhause hatte. Wir besaßen sie von fast klein auf und begleiteten sie den größten Teil ihres Lebensweges. Neben Minnie hatten wir noch einen Hund, einen süßen Langhaar-
dackel mit den Namen "Waldie".

Es heißt ja immer, Hund und Katze sind sich spinnefeind - bei unseren Tieren war das nicht so.Waldie und Minnie kamen sehr gut miteinander aus, sie schienen sich sogar richtiggehend zu mögen.

Hatte sich Waldie auf seine Decke hinter den Ofen zurückgezogen, kam Minnie herbei geschlichen, rollte sich bei seinen Füßen zusammen und schnurrte wohlig.
Die beiden schliefen miteinander, spielten miteinander und fraßen zeitweise sogar vom gleichen Napf.
Mir kam es vor, als wäre unser Dackel eine Art "Mutterersatz" für Minnie. Auf jeden Fall war es eine Tatsache, dass Hund und Katze prächtig miteinander harmonierten.
Und es war schön, den beiden dabei zuzusehen.

...Eines Tages dann war Minnie plötzlich spurlos verschwunden. Sie hatte morgens das Haus verlassen und war abends nicht zurückgekehrt. Meine Geschwister und ich machten uns große Sorgen um unsere Katze, und als sie am zweiten Tag immer noch nicht da war, begannen wir sie überall zu suchen. Natürlich fanden wir sie nirgendwo, wie sollte es schon anders sein?

Wo war Minnie nur? Hoffentlich hatte sie kein Jäger im Wald erschossen oder irgendwo ein Auto angefahren! Der kalte Angstschweiß brach mir aus bei der Vorstellung, die geliebte Katze könnte tot oder schwer verletzt am Straßenrand liegen.

"Die kommt schon wieder!" sagte meine Mutter, und sie behielt sogar Recht damit:
Nach einer Woche Stromerdasein war unsere Katzendame auf einmal wieder da!
Seelenruhig saß sie neben Waldie und putzte sich ausgiebig, als wäre nichts gewesen. Guter Dinge und völlig ahnungslos, wieviel Aufregung ihr Verschwinden ausgelöst hatte.

Wir freuten uns sehr darüber, dass wir unsere Katze wieder hatten. Doch diese Freude währte nicht sehr lange. Minnie streunte leidenschaftlich gerne herum, und es dauerte nur wenige Tage, und sie war wieder fort gelaufen.

Dieses Mal wurde ihr die Neugier auf die große schöne Welt jedoch höchstwahrscheinlich zum Verhängnis. Wochen und Monate vergingen, und so langsam gelangten wir zu der schmerzlichen Erkenntnis, daß es kein Wiedersehen mehr geben würde.
Aus einen kurzen Abschied war ein Abschied für immer geworden. Minnie kehrte von ihrem Ausflug nicht mehr heim, wir warteten umsonst auf die Katze. Und wir haben sie auch nie mehr gesehen.


Veröffentlicht am 12.05.11, geschrieben von Ursula Neubig, Webblog: Unheimliches und Gruseliges


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