Das Tier als Freund des Menschen

Ein ganz "eigener" Hahn
 

Als ich noch zur Schule ging, hatten wir zeitweise einen ganzen Haustierzoo zuhause. Neben einem Hund und mehreren Katzen hielt meine Mutter einmal auch noch Zwerghühner mitsamt Anführer – was zu gut deutsch heißt: Einen Hahn gab es selbstverständlich mit dazu!
…und der war bei den vielen Hühner-Damen wirklich „der Hahn im Korb“.

Es gab Zeiten, da gab es in unserem „Rudel“ neben dem eigentlichen Hahn noch einige „Junghähne“. Doch der schon immer dagewesene Hahn behauptete sich vehement gegen den Nachwuchs und setzte sich immer wieder durch. Er war auch wirklich ein schmuckes Tier, mit braun-goldenen Gefieder, dem grün-grauen „Hahnenschweif“ und seinem stolzen, roten, geschwellten Kamm.
Die Hennen waren ihm richtiggehend „hörig“, und er konnte mit seinem Harem anstellen, was er nur wollte. Schwieriger wurde das ganze, als der Hahn damit anfing, auf uns Kinder loszugehen. Er begann lauthals zu schimpfen, plusterte sich auf, dass er beinahe noch mal so groß war, wie ursprünglich und kam wie ein wütender Stier – mit gesenktem Kopf – auf uns zu und versuchte, nach unseren Beinen zu hacken oder zu zwicken.
Oft nahmen wir dann Reißaus, denn solche „Attacken“ konnten für uns ganz schön schmerzhaft ausgehen. Ärgerten wir das Tier nicht zu sehr und beachteten es nicht weiter, hielten sich die „Gewaltausbrüche“ jedoch einigermaßen in Grenzen. Ich kann mich aber heute noch sehr gut daran erinnern, dass ich den „bösen Gockel“, wie ich ihn nannte, überhaupt nicht mochte. Mein Vater sagte eigentlich immer, er wolle ihn schlachten – aber dem war nicht so, und so krähte er munter immer weiter.

Als ein Nachbar zu bauen begann, wurden die Schwierigkeiten noch größer. Neben unserem Haus befand sich ein verwildertes Grundstück, in dem meine Geschwister und ich gerne immer Zeit verbrachten. Wir erfanden immer andere Spiele, versteckten uns in den wuchernden Gebüschen neben den Brennnesseln, wenn wir ungestört sein wollten und setzten uns auf dürre, krumm gebogene Baumstämme, um auf ihnen wie auf Pferden zu reiten. Unserer Fantasie in der Spielgestaltung war wirklich keine Grenze gesetzt. Nie wurde es uns langweilig und wir „entdeckten“ unsere ganz persönliche „Spielwiese“, den „Garten“, wie wir ihn liebevoll nannten, immer wieder neu. Wenn ich das jetzt im Nachhinein so betrachte, ist es eigentlich schade, dass meine Kinder ihre Kindheit ganz anders verbrachten – und so etwas in der Art gar nicht kennenlernten.

Auch unsere Hühner nutzten das verwilderte Grundstück als willkommenes Freilandrevier. Als jedoch ein jetzt späterer Nachbar neben uns ein Haus zu bauen begann, waren die Tage des „Gartens“ ebenfalls gezählt.
Unser stolzer Hahn hingegen spazierte weiterhin Tag für Tag unbeirrt mit der gesamten Hühnerschar zu der Stelle, an der sie sich jahrelang immer am liebsten aufgehalten hatten. Nur leider war das aktuell dummerweise im Rohbau des Hauses – und die Hühner versammelten sich tagtäglich einige Stunden darin. Es war für uns Kinder lustig anzuschauen, wie die Hühner – mit dem Gockel natürlich immer voraus – nach und nach in dem Gemäuer verschwanden.
Die Bauarbeiter freuten sich nicht so darüber. Verständlicherweise schimpften sie jeden Tag auf's Neue, denn das treu liebende Geflügel hatte im Rohbau des Hauses auch jedes Mal seine Spuren hinterlassen...
Das ging ein ganzes Stück so, bis meine Mutter keine Möglichkeit mehr sah, als die Hühner wirklich fort zu schaffen und sie wegzugeben.

…Bekommen hat die Tiere eine Verwandtschaft, bei der sie gut aufgehoben waren, denn die Verwandten hatten selbst einen Bauernhof. Unser exzentrischer Hahn hat auch noch eine ganze Zeit lang dort als „Haremsführer“ gelebt. Jedoch irgendwann einmal, hat ihn das Schicksal ereilt, und er soll im Brattopf gelandet sein, so wie es ihm schon lange vorbestimmt gewesen war.


Veröffentlicht am 12.03.12, geschrieben von Ursula Neubig, Webseite: Kostenlose Reklame


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