Das Tier als Freund des Menschen

Eine kleine Tiergeschichte
 

Begebenheiten von Hund und Katze

Unser erster Hund sollte schon bald meine kleine Familie mit seiner Anwesenheit erfreuen. Offiziell war es der Hund unseres jüngeren Sohnes. Elvis. Nein, nicht der Sohn. Der Name des reinrassigen Collie-Hundes war „Elvis Gold von der Zunderwand“.

Wir holten ihn im zarten Alter von acht Wochen nach Hause. Er war einfach nur lieb. Ein braver Hund, ein toller Hund, ein schöner Hund.

Aber sind sie das nicht alle?

Brav, supertoll und natürlich der schönste Hund auf Gottes Erden. Da ist es völlig egal, ob es ein bulliger, übergewichtiger Boxer, ein, einem Schweinchen ähnelnder Bull-Terrier oder ein meist um Luft ringender, kurzbeiniger Mops ist. Für deren Besitzer sind sie allerliebst. Und wunderschön.

Tatsächlich wunderschön war unser langhaariger, schlanker, beige-brauner und sehr sensibler Collie, Elvis. Man konnte ihm den Adel förmlich ansehen. Er begleitete uns knapp 14 Jahre durchs Leben.

Noch heute bereue ich zutiefst, dass ich nicht rechtzeitig bemerkte, dass er bei unseren gemeinsamen Waldläufen nicht aus Trotz stehen blieb und partout nicht mehr weiter wollte. Alles schimpfen und zerren nützte nichts. Er blickte mich mit seinen unbeschreiblich treuen Augen an und ich dummer Mensch verstand nicht, dass er keine zehn Kilometer mehr schaffen konnte.
Elvis war in die Jahre gekommen. Der Abschied von ihm war hart, schwer und tränenreich, als wir ihn erlösen ließen. Erlösen lassen mussten.
Aber, wem sage ich das? Jeder der ein Tier liebt weiß, wie schmerzhaft ein Abschied für immer ist.

Als Elvis sich zu unserer Familie gesellte, lebte Romeo, ein Tigerkater, bereits vier Jahre bei uns. Er erblickte unter der Bettdecke im Kinderzimmer das Licht der Welt, sodass unser Junge tatsächlich glaubte, die Mohrli, Romeos Mutter, habe eine Maus ins Haus gebracht. In Unkenntnis darüber, dass Katzen sich nur bedingt bis gar nicht erziehen lassen, versuchte ich über viele Jahre hindurch diesen anschmiegsamen Individualisten, Romeo, mit Strenge und Konsequenz davon abzuhalten, auf Tische zu springen und in die Küche zu schleichen. Meine „Erziehungsmethoden“ waren ebenso falsch wie erfolglos.

Damals redete ich mir ein, Katzen nicht zu mögen. Einer meiner vielen Irrtümer im Umgang mit Tieren. Auch Romeo lebte bis zu seinem natürlichen Tod sicher glücklich und zufrieden bei uns. Abgesehen von jenen Momenten, in denen ich ihn schnaubend durch die Küche verfolgte. Wenn auch meistens ohne die Genugtuung verspüren zu dürfen, ihn zu erwischen.
Er hat mich gelehrt, Katzen besser zu verstehen. Da Elvis und Romeo sich im gleichen Jahr in den Tierhimmel verabschiedeten, beschlossen wir, nicht sogleich wieder ein Haustier bei uns einziehen zu lassen. Weit gefehlt.

Eines Tages, jedenfalls schon bald nach dem Tod der beiden, besuchte uns ganz spontan ein grau-weißer, kastrierter Kater. Immer unter der Woche. Niemals am Wochenende. Da war er wohl bei sich zu Hause. Wir ließen ihn kommen und gehen wie er wollte. Er bekam Futter von uns und allmählich wurde er immer vertrauter. Seine Besuche häuften sich. Wir freuten uns. Das ging eine ganze Weile so, bis er wohl sein „Binkerl“ gepackt haben musste und für immer zu uns zog. Einfach so.

Schon längst hatten wir ihn auf den Namen Wutzl getauft. Wutzl deshalb, weil es ein großes, stattliches Tier war. Für uns eben ein richtiger Wutzl. Peterl, Minki, Schnurrli heißen ohnehin alle anderen, scherzten wir. Dieser Kater war ungemein einfühlsam und anhänglich. Aber natürlich hatte er, wie Katzen allgemein, seinen eigenen Willen.

Dass er durch unsere Küche marschierte wie selbstverständlich, versuchte ich erst gar nicht, zu verhindern. Wo immer er hin wollte, Schlafzimmer ausgenommen, konnte er hin. Meine Toleranzgrenze Tieren gegenüber, war zu dieser Zeit bereits um einiges höher geschraubt. Vielleicht ein halbes Jahr nach Wutzls Einzug bei uns passierte etwas, was diese Geschichte so unglaublich, so merkwürdig und so schön macht. Wenn man es so sieht, wie wir es tun. Nichts davon kann bewiesen werden. Nicht dass es so war wie es war, und schon gar nicht, dass es nicht so sein konnte, wie es sich zutrug. Sie trat von einer auf die andere Minute in unser Leben. Eine weitere Katze.

Sie spazierte plötzlich auf unserer Terrasse umher als gehörte sie schon immer hier her. Es war offensichtlich, dass sie sich beim Fressen schwer tat, schwer Luft bekam, mit einem Wort, nicht ganz gesund war. Wo sie her kam und warum sie zu uns kam? Wir wussten es nicht.

Die Zeit sollte uns eine Erklärung dafür liefern. Unsere Erklärung!
Es war kein Thema, dieses Geschöpf, ein Geschöpf Gottes, bei uns aufzunehmen. Es hatte uns ausgesucht. Ach ja. Unbedingt zu erwähnen ist, dass uns die Farbe dieser kleinen Katze, wir tauften sie auf den Namen Putzi, sofort an unseren geliebten Elvis erinnerte. Sie hatte eins zu eins das Fell unseres geliebten, langjährigen Collie-Freundes. Nur die Haare waren kürzer. Putzi und Wutzl lebten nebeneinander her. Jeder war jedem egal. Sie liebten sich nicht, aber sie zankten auch nicht. Beinahe täglich mehr erstaunte uns das Verhalten dieser zugelaufenen, offensichtlich leicht behinderten Katze.

Waren wir unterwegs, wartete sie auf dem Garagenvorplatz wie einst unser Elvis. Katzen mögen kein Wasser…weit gefehlt.
Putzi marschierte durch Wasserpfützen wie damals unser Hund. Sie wälzte sich an Plätzen, an denen sich einst Elvis voller Lebensfreude gewälzt hatte. Sie schlief tatsächlich auf einem Brückengeländer, obwohl sie Gefahr lief, jederzeit in den darunter befindlichen, reißenden Bach zu fallen. Im Winter!

Kamen wir nach Hause, schwänzelte sie auf uns zu und begrüßte uns freudig, wie früher der geliebte Hund. Gebellt hat sie nie. Leider! Aber auch kein „Miau“ entkam ihr jemals. Schon längst war uns klar, es war die Reinkarnation unseres so geliebten Elvis. Putzi war in Gestalt einer Katze noch einmal zu uns gekommen. Noch viele Begebenheiten bestärkten uns in unserer Überzeugung. Sagen wollten wir es niemanden. Auch das Ableben von Putzi war mehr als eigenartig.

Vier Jahre waren nach dem schmerzvollen Abschied unseres Hundes ins Land gezogen. Es war ein Zufall. Beim Durchblättern der Tageszeitung blickte ich auf jene Seite, auf der Tiere zu sehen waren, die ein Zuhause suchten. Zwei strahlende Hundeaugen blickten mir entgegen. Ein kleiner schwarzer Schäfermischlingswelpe suchte einen Platz bei liebevollen Tierfreunden.
„Nur anschauen“, meinte ich zu meiner Frau. Ich wollte mir das Hündchen nur einmal ansehen. Nichts weiter. Hundekorb und alles was man für die Hundehaltung benötigt, besaßen wir nicht mehr. Also fuhren wir in dieses Tierheim, um den kleinen Racker zu beäugen. Dass er nicht nur ein „kleiner“ Racker war, konnten und mussten wir schon kurze Zeit später, teilweise schmerzvoll, erfahren. Alles ging sehr schnell vonstatten.

Wir nahmen ihn mit. Diesen schwarzen, ungezogenen, nicht sozialisierten und ein wenig verrückten kleinen Schäfermischling und nannten ihn Florian. Unser mittlerweise längst erwachsener Sohn zieht es vor, ihn Brutus zu rufen. Er hört auf beide Namen und ich denke er würde auch auf Karlheinz hören, wenn er nur sein Leckerli bekommt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Wurst, Hunde- oder Katzenfutter, Schlagobers, Erdnüsse, Kastanien, Joghurt oder Weintrauben handelt. Ja, unser Hund ist tatsächlich ein Allesfresser.

Dass er die Wärmedämmung unserer Hausfassade auf der Länge eines Meters fraß und unzählige Schuhe zu Wegwerfartikeln umfunktionierte, waren die weniger schlimmen Dinge, mit denen er unsere Tierliebe auf den Prüfstand stellte. Dass er aber in seiner beinahe zügellosen Wildheit, er muss wohl ein unmittelbarer Nachfahre des wilden Wolfes sein, meine Frau von hinten rammte und ihr einen doppelten Knöchelbruch beibrachte, ließ uns und vor allem mich, schier verzweifeln.

Obwohl ich drohte ihn ins Tierheim zurückzubringen wusste ich, dass ich das nie und nimmer fertig brächte. Die Erfahrung aus der Hundeschule mit Elvis und das Verschlingen unzähliger Hunde-Erzieh-Bücher, sowie Liebe und Vertrauen, gepaart mit Konsequenz und Strenge, lenkten auch dieses Wildtier in annehmbare Bahnen. Eigenschaften, wie Wachsamkeit, Beschützer-Instinkt, unglaubliche Anhänglichkeit und bedingungslose Treue, zeichnen diesen wunderbaren Freund und Begleiter aus.

Niemals rauft er mit anderen Hunden. Keine Katze, keine Ente, kein Reh und sicher auch kein Regenwurm müssen sich vor meinem Flori fürchten. Er verbellt jeden, der sich unserem Grundstück nähert und liebt jeden, von dem wir ihm sagen, er oder sie sei in Ordnung. Und, wir stehen in telepathischer Verbindung zueinander. Oft schon beobachtete ihn meine Frau, dass er, meist zehn Minuten bevor ich nach Hause komme, unruhig wird, suchend beim Gartenzaun auf- und abmarschiert und mit Bestimmtheit mein baldiges Kommen fühlt. Zu unterschiedlichen Zeiten! Wie macht er das nur? Ich liebe diesen Hund!

Zurück zu Putzi und ihrem Abschied von uns. Florian war da. Wutzl, ein ausgewachsener Mäusejäger, muss ihm wohl sofort klar gemacht haben, dass er das ältere Wohnrecht hatte. Es gab kein Problem zwischen den beiden. Nicht so Putzi. Sie ging. An dem Tag, an dem Flori, alias Brutus, bei uns einzog, zog Putzi aus. Zum Nachbarn. Dort lebt die Mutter meiner Frau und dorthin ist Putzi gegangen.
Sie verweigerte aber ihr Fressen. Sie wurde schwach. Ich sah sie öfter und wollte sie dazu bewegen, wieder zu uns zu kommen. Katzen und ihr Wille! Ihr Wille war wohl, für immer zu gehen. Es war der letzte Tag, die letzte Stunde in Putzis Leben. Schwach und auf zitternden Beinen schleppte sie sich über die Stufen zu unserer Terrasse hoch und ging furchtlos an Flori vorbei in unser Haus. Fressen wollte sie dennoch nicht. Wir betteten sie auf eine flauschige Decke und Putzi ging so unerwartet, wie sie einst gekommen war.

Wir haben nur eine Erklärung dafür, auch wenn sie so mancher mit Bestimmtheit als absurd abtun möge. Unser geliebter Hund Elvis, der uns in Gestalt dieser Katze noch einmal heimsuchte, ging an dem Tag, an dem wir einen anderen Hund bei uns aufnahmen. Zum Sterben kam er jedoch noch einmal zu uns zurück. Auch wenn es nicht so sein sollte, kann ich mit dieser, meiner Theorie und Erklärung der Erlebnisse mit dieser seltsamen Katze, gut leben. Wutzl und Flori verstanden sich sehr gut. Sie lebten als geliebte Tiere bei uns. Doch Wutzl war alt. Sehr alt. Vom Tierarzt verordnete Herztabletten verlängerten sein Leben um knapp ein Jahr. Dennoch war der Tag des Abschieds unvermeidbar. Auch er wurde vom Tierarzt erlöst.

Ich weinte bitterste Tränen. Um eine Katze? JA! Um eine Katze. Um eine dahergelaufene, mittlerweile zahnlose, aus dem Maul stinkende Katze. Um ein Katze, die uns täglich mehrere Mäuse stolz vom nahen Feld brachte und immer dafür von uns belohnt wurde. Um genau diese Katze weinten meine Frau und ich. Ich begrub sie, zündete eine Kerze an und errichtete eine kleine Gedenktafel. Nur um eine Katze. Eigentlich wollte ich keine weitere Katze mehr aufnehmen. Ausgenommen, es würde uns wieder eine zulaufen. Es kam jedoch anders als geplant und ein Jahr nach dem Tod unseres Wutzl überkam mich beim Anblick einer süßen Katze mehr und mehr eine Sehnsucht nach einer eigenen.

Spätestens jetzt wusste ich. Ich liebte nicht nur Hunde. Ich liebte auch Katzen. Im Grunde liebe ich alle Tiere und betrachte sie schon lange als Mitgeschöpfe. Die Aufnahme einer kleinen süßen Katze aus dem Tierheim, er hieß Carlo, brachte nicht das erhoffte Katzenglück. Carlo war lieb und süß wie alle kleinen Katzen. Carlo jedoch war ein Streuner und ließ einen Monat, nachdem wir ihn bei uns aufgenommen hatten, sein Leben auf der Straße. Ich habe ihn bei einem Morgenspaziergang mit Flori tot am Straßenrand liegend, gefunden….

Jetzt lebt Pedro bei uns. Er ist ebenso schwarz wie Flori. Die beiden verstehen sich blendend. Pedro ist liebevoll, geht nicht weiter als eine Hausrunde und kommt schon nach wenigen Minuten wieder zu uns zurück. Er liebt es, gekrault und verwöhnt zu werden. Er kommt mit unseren beiden indischen Laufenten Arnold und Weibi 2 – Weibi 1 erlag vermutlich einem schnellen Herztod – ebenso gut zu recht, wie Flori.

Ich kann mir gut vorstellen, dass bei all jenen Menschen, deren Tierliebe sich in Grenzen hält, als gelindeste Reaktion auf diese Zeilen, ein unverständliches oder gar mitleidiges Kopfschütteln die Folge sein könnte. Das ist okay für mich. Ich beobachte, liebe und verehre Tiere und weiß, dass unzählige Menschen so oder so ähnlich denken und fühlen wie ich – meine Frau eingeschlossen - und hoffe, mit meiner ganz persönlichen Tiergeschichte ein wenig Freude in die Herzen der Menschen zu bringen.
Jedes Tier hat eine Seele, kann leiden und weinen. Tiere kennen das Gefühl der Sehnsucht, der Freude, des Schmerzes und der Trauer. Tiere sind Lebewesen, wie wir Menschen. Sie haben das gleiche Recht, auf ein schönes und lebenswertes Leben auf „unserem“ Planeten.


Veröffentlicht am 13.12.12, geschrieben von Heinrich Eschauer (Pseudonym), Webseite: Heinrich Eschauer Webnode


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